Interview
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1. Wie lange hast du schon Piranhas? Meine
ersten Piranhas kaufte ich 1984, nach einem Umzug musste ich diese dann
aus Platzmangel abgeben. Meine jetzigen habe ich seit 3 Jahren. 2. Würdest du sie als gefährlich einstufen? Piranhas
als gefährlich einzustufen halte ich für genauso falsch, als zu sagen,
es wären harmlose Tiere. Es ist bei Piranhas wie mit allen Wildtieren,
sie folgen ihrem Instinkt und der heißt „Überleben“. Hier wird in dieser
Richtung eben viel durch die Presse aufgebauscht und übertrieben. Es ist
bis heute kein Fall bekannt, bei dem ein Mensch ernsthaft durch Piranhas
verletzt wurde. Bei den meisten „Unfällen“ durch Piranhas handelt es sich
um kleinere Bisswunden die entstehen, wenn Piranhas z.B. von der Angel
genommen werden. An vielen Orten am Amazonas baden die Kinder in Flüssen
in denen es von Piranhas wimmelt. Piranhas sind von Natur aus sehr schreckhafte
Fische, die erst dann zubeißen, wenn sie in die Enge getrieben werden
oder wenn sie z.B. in der Trockenzeit in kleineren Tümpeln eingeschlossen
sind und das Futter dann knapp wird. Dies wissen aber die Ureinwohner
und baden dann in diesen Tümpeln eben nicht. Ich selbst hantiere ohne
Kettenhandschuhe in meinem Aquarium und bin auch noch nie angegriffen
worden. 3. Empfiehlst du die Haltung dieser Tiere? Wer
mit dem Gedanken spielt, Piranhas zu halten, der hat sich nicht gerade
für die pflegeleichtesten Fische entschieden. Es gibt ein paar Dinge über
die man sich schon im voraus Gedanken machen sollte. Als erstes muss der
enorme Platzbedarf von Piranhas berücksichtigt werden, in einem 200 Liter
Becken lassen sich Piranhas nicht halten. Man rechnet pro ausgewachsenem
Piranha 100 Liter. Hier werden wohl die meisten Fehler gemacht, denn die
anfangs nur ein paar Zentimeter großen Piranhas werden recht schnell groß
und bei zu kleinen Aquarien macht sich das stärkste Tier Platz, indem
es die anderen tötet. Es sollte auch darauf geachtet werden, eine möglichst
große Grundfläche zu bieten, ein 150x60x60 ist z.B. einem 200x50x50 Becken
vorzuziehen. Des weiteren sollte auch regelmäßig Wasserwechsel gemacht
werden, da Piranhas auf Grund ihrer anderen Verdauung und Futteraufnahme
das Wasser mehr belasten als „normale“ Zierfische. Wer also nur jedes
halbe Jahr einen Wasserwechsel machen möchte, der wird an Piranhas keine
Freude haben. Ich habe an meinen auch beobachten können, dass, wenn das
Wasser höher mit Schadstoffen belastet ist, die Aggressivität zunehmend
steigt und die Beißereien untereinander stark zunehmen. Auch sollte die
Beleuchtung und der Bodengrund nicht zu hell gewählt werden, da Piranhas
von Hause aus sehr schreckhafte Fische sind und ein zu helles Becken dies
noch steigert. Hier muss eben ein Kompromiss zwischen gutem Pflanzenwachstum
und dunkler Beleuchtung gefunden werden. Oft kommt auch die Frage nach
Beifischen auf. Hier muss klar gesagt werden: es kann, muss aber nicht
funktionieren. Bei den einen leben einige hundert Guppys mit im Becken,
bei den anderen wird alles gefressen was sich bewegt. Hier kommt es auf
viele Faktoren an und es kann nur durch Ausprobieren herausgefunden werden.
Wer diese „Besonderheiten“ bei der Pflege von Piranhas beachtet, der wird
sich an faszinierenden Fischen erfreuen können, die das ganze Repertoire
ihres Verhalten zeigen und das im günstigsten Fall über 20 Jahre lang,
denn Piranhas können bei richtiger Pflege ein beachtliches Alter erreichen. 4. Wie kamst du auf die Idee Piranhas als „Haustiere“ zu halten? Da
ich mich schon immer für den Regenwald und seine Bewohner interessierte,
lag es nahe, auch Fische aus diesem Lebensraum zu pflegen. Bei den Piranhas
sah ich es als Herausforderung, dieser Fischart, über die es 1984 so gut
wie keine Haltungs-Informationen gab, einen artgerechten Lebensraum zu
schaffen. 5. Was würdest du im Allgemeinen nach deinen Eindrücken über Piranhas sagen? Piranhas,
ein Fisch mit einer wichtigen natürlichen Aufgabe. Das
Amazonasgebiet wird zweimal pro Monat durch den Gezeitenzyklus überschwemmt.
Dieses Naturwunder wird in Brasilien Pororoca („großer, zerstörerischer
Lärm“) genannt. Dabei entsteht eine riesige bis 7m hohe Springflut, die
bis 600 km landeinwärts spürbar ist. Zu den Opfern der Flutwelle gehören
vorwiegend viele Wildtiere. Die im Wasser treibenden Kadaver dienen ihrerseits
den Piranhas als Nahrung. Somit erfüllen die Piranhas eine wichtige Funktion
zugunsten des ökologischen Gleichgewichtes. Die Fähigkeit der Piranhas
auch Aas zu verwerten, verhindert durch die ansonsten schnell eintretende
Verwesung der Tierleichen gefährliche Seuchenherde. Ohne die von den Piranhas
wahrgenommene Stellung als Gesundheitspolizei wären viele Gebiete am Amazonas
übel riechende Kloaken. Infolgedessen könnten sich Krankheiten ungehindert
ausbreiten. Möglicherweise brachte auch deshalb die Evolution diese in
ihrer Heimat überaus nützlichen Geschöpfe hervor. Selbstverständlich ist
das nur ein Teilaspekt für die Existenz der Piranhas. Für eine dermaßen
fischreiche Region der Erde ist es ebenso logisch einen erfolgreichen
Raubfisch, der sich hauptsächlich von Fischen ernährt hervorzubringen.
6. Was fressen Piranhas hauptsächlich? Dass
Piranhas lebende Warmblüter fressen, kann in der Natur schon einmal vorkommen,
ist aber nicht die Regel. Die Hauptnahrung von Piranhas ist Fisch und
Aas. 7. Sind Piranhas stumme Fische? Piranhas
sind keines Wegs stumme Fische, sie können mit ihrer Schwimmblase Laute
erzeugen die sich nach Grunzen oder knurren anhören. Da Piranhas selber
Laute erzeugen, kann auch davon ausgegangen werden, dass sie sehr gut
hören. 8. Sind Piranhas Schwarmfische? Piranhas
sind Schwarmfische, die sich allerdings nur bei Gefahr in enger Formation
ausrichten. Im normalen Leben halten sie immer einen respektablen Sicherheitsabstand
zum Nebenmann ein. Da sie auch stark revierbildend sind, werden Artgenossen
zuerst durch Scheinkämpfe und wenn es hart auf hart kommt auch durch Bisse
vertrieben. 9. Sinnesorgane von Piranhas
Äußere
Merkmale Der
Piranha-Körper ist sehr hoch, eher stämmig und dementsprechend seitlich
schmal beschaffen. Anders als andere Raubfische brauchen die Piranhas
als Gruppenjäger kein stromlinienförmiges Aussehen, da sie nicht blitzschnell
aus der Lauerstellung heraus ein Beutetier schlagen. Beim gemeinschaftlichen
Jagen kann also auf einen Körperbau, der ganz auf Schnelligkeit eingestellt
ist, gut verzichtet werden. Da Piranhas auch tote und kranke Tiere nicht
verschmähen, können sie auf das Erreichen einer optimalen Schwimmgeschwindigkeit
verzichten. Flossen Die
Flossen in Verbindung mit der Schwimmblase ermöglichen dem Piranha die
Kontrolle aller Bewegungen. Die Namen der Flosse beziehen sich immer auf
die Region, in der sie sich befindet (siehe Bild). Wenn Piranhas ruhig
an ihrem Standplatz stehen, werden die Brustflossen benutzt, um den '
Strahl Effekt ' zu neutralisieren, den die Kiemen produzieren. Die Rückenflosse
kann zu dieser Aufgabe auch benutzt werden. Die Rückenflosse kann zusätzlich
benutzt werden, um den Piranha in Rückwärtsbewegung zu versetzen. Bei
hohen Geschwindigkeiten ist nur die Schwanzflosse eingesetzt, alle anderen
werden dicht an den Körper gepresst. Zähne Die
Zähne werden hinter den Lippen versteckt und sind folglich bei einem gewöhnlichen
Piranha kaum sichtbar. Schon ein junger Piranha von ungefähr 15 cm Länge
besitzt Zähne, die eine Grösse von gut 4 mm erreichen. Die Muskulatur
und der Unterkiefer sind stärker ausgebildet als der Oberkiefer und verleihen
den älteren Piranhas das charakteristische Aussehen, welches an jenes
einer Bulldogge erinnert. Seitliche
Linie Die
Seitliche Linie ist ein spezielles Richtungsorgan (ähnlich das der Haie),
das sich entlang der Seiten der Fische befindet. Es kann als dünne Linie
bezeichnet werden, die vom Kopf bis zur Schwanzflosse reicht. Damit kann
der Piranha Druckschwankungen im Wasser aufnehmen und es ermöglicht den
Fischen z.B. Artgenossen an deren einzigartigen Schwimmfrequenz zu erkennen.
Deshalb werden auch z.B. kranke Fische durch ihre veränderte "Schwimmfrequenz"
erkannt und sofort attackiert. In den Weißwasserflüssen Südamerikas, in
denen die Sicht schlecht ist, können die Piranhas diese seitliche Linie
einsetzen, um zu steuern und Felsen oder ähnliche Hindernisse auszuweichen. Riechen Viele
Autoren haben schon den unglaublichen Geruchsinn erwähnt, den Haie besitzen.
Piranhas haben einen ähnlich ausgebildeten Geruchsinn, was für einen im
getrübten Wasser lebenden Fisch ein entscheidender Vorteil ist. Gerade
in den nahrungsarmen Perioden ist jedes zu lokalisierende Beutetier überlebenswichtig.
Ein Tropfen Blut zu hungrigen Piranhas in ein 300 l Aquarium zu geben
reicht schon aus, um diese in erhöhte Erregung zu versetzen. Fehlt nun
ein geeignetes Futter, können sie sich vor lauter Aufregung gegenseitig
attackieren, weshalb von einem derartigen Versuch im Heimaquarium abzuraten
ist. Sehen Die
verhältnismäßig großen Augen des Piranha haben ein hartes, kugelförmiges
Objektiv, das sich nicht verformt. Das Auge ist tadellos für den Nahaufnahmeblick
angepasst und im Ruhezustand kurzsichtig. Wie oben schon erwähnt, ist
im trüben Wasser kein "Weitblick" erforderlich. Selbstverständlich
kann es für weitere Entfernungen angepasst werden. Dieses wird durch das
Objektiv erzielt, das durch den Objektivmuskel verlegt wird. Die Position
der Augen vergrößert das Sichtfeld sehr, wobei nur im vorderen überschneidenden
Sehfeld ein räumliches Sehen möglich ist. Für die genauere Überprüfung
eines Objektes sind daher die Piranhas gezwungen, sich senkrecht zum Gegenstand
hin zu wenden. Tests haben gezeigt, dass Fischaugen, die denen der Piranhas
ähnlich sind, zwischen 20 unterschiedlichen Farben mit einer Licht - Wellenlänge
zwischen 370 und 700 nm unterscheiden können (das menschliche Auge kann
zwischen einer Wellenlänge von 380 bis 780 nm unterscheiden). 10. Wo kommen Piranhas vor?
Die Vorkommensgebiete der Piranhas umfassen die imposanten Stromsysteme Südamerikas. Allen voran steht der Amazonas in Brasilien mit seinen unzähligen Zu- und Nebenflüssen. Als längster Strom Südamerikas weist er das größte Einzugsgebiet der Erde auf. Von einer Fläche mit über sieben Millionen Quadratkilometer fließt das Wasser Richtung Meer, um sich anschließend mit 120.000 m³ in der Sekunde in den Atlantik zu ergießen. 11. Muss das Aquariumwasser speziell aufbereitet werden?
Piranhas
stellen an das Wasser keine speziellen Anforderungen und mit Standard
Werten für ein tropisches Süßwasser-Becken kommt man recht gut hin. pH-Wert:
6 - 7,5 Wasserhärte
(dGH-Wert): 5 - 25° Wassertemperatur:
24 - 28°C Beckengröße:
pro Piranha min. 100 Liter |
www.piranhasen.de