Interview / FAQ




Wie lange hast du schon Piranhas?


Meine ersten Piranhas kaufte ich 1984, nach einem Umzug musste ich diese dann aus Platzmangel abgeben. Meine jetzigen habe ich seit 10 Jahren.




Würdest du sie als gefährlich einstufen?


Piranhas als gefährlich einzustufen halte ich für genauso falsch, als zu sagen, es wären harmlose Tiere. Es ist bei Piranhas wie mit allen Wildtieren, sie folgen ihrem Instinkt und der heißt „Überleben“. Hier wird in dieser Richtung eben viel durch die Presse aufgebauscht und übertrieben. Es ist bis heute kein Fall bekannt, bei dem ein Mensch ernsthaft durch Piranhas verletzt wurde. Bei den meisten „Unfällen“ durch Piranhas handelt es sich um kleinere Bisswunden die entstehen, wenn Piranhas z.B. von der Angel genommen werden. An vielen Orten am Amazonas baden die Kinder in Flüssen in denen es von Piranhas wimmelt. Piranhas sind von Natur aus sehr schreckhafte Fische, die erst dann zubeißen, wenn sie in die Enge getrieben werden oder wenn sie z.B. in der Trockenzeit in kleineren Tümpeln eingeschlossen sind und das Futter dann knapp wird. Dies wissen aber die Ureinwohner und baden dann in diesen Tümpeln eben nicht. Ich selbst hantiere ohne Kettenhandschuhe in meinem Aquarium und bin auch noch nie angegriffen worden.




Empfiehlst du die Haltung dieser Tiere?


Wer mit dem Gedanken spielt, Piranhas zu halten, der hat sich nicht gerade für die pflegeleichtesten Fische entschieden. Es gibt ein paar Dinge über die man sich schon im voraus Gedanken machen sollte. Als erstes muss der enorme Platzbedarf von Piranhas berücksichtigt werden, in einem 200 Liter Becken lassen sich Piranhas nicht halten. Man rechnet pro ausgewachsenem Piranha mit mindestens 100 Liter Wasser. Hier werden wohl die meisten Fehler gemacht, denn die anfangs nur ein paar Zentimeter großen Piranhas werden recht schnell groß und bei zu kleinen Aquarien macht sich das stärkste Tier Platz, indem es die anderen tötet. Es sollte auch darauf geachtet werden, eine möglichst große Grundfläche zu bieten, ein 150x60x60 ist z.B. einem 200x50x50 Becken vorzuziehen. Des weiteren sollte auch regelmäßig Wasserwechsel gemacht werden, da Piranhas auf Grund ihrer anderen Verdauung und Futteraufnahme das Wasser mehr belasten als „normale“ Zierfische. Wer also nur jedes halbe Jahr einen Wasserwechsel machen möchte, der wird an Piranhas keine Freude haben. Ich habe an meinen auch beobachten können, dass, wenn das Wasser höher mit Schadstoffen belastet ist, die Aggressivität zunehmend steigt und die Beißereien untereinander stark zunehmen. Auch sollte die Beleuchtung und der Bodengrund nicht zu hell gewählt werden, da Piranhas von Hause aus sehr schreckhafte Fische sind und ein zu helles Becken dies noch steigert. Hier muss eben ein Kompromiss zwischen gutem Pflanzenwachstum und dunkler Beleuchtung gefunden werden. Oft kommt auch die Frage nach Beifischen auf. Hier muss klar gesagt werden: es kann, muss aber nicht funktionieren. Bei den einen leben einige hundert Guppys mit im Becken, bei den anderen wird alles gefressen was sich bewegt. Hier kommt es auf viele Faktoren an und es kann nur durch Ausprobieren herausgefunden werden. Wer diese „Besonderheiten“ bei der Pflege von Piranhas beachtet, der wird sich an faszinierenden Fischen erfreuen können, die das ganze Repertoire ihres Verhalten zeigen und das im günstigsten Fall über 20 Jahre lang, denn Piranhas können bei richtiger Pflege ein beachtliches Alter erreichen.




Wie kamst du auf die Idee Piranhas als „Haustiere“ zu halten?


Da ich mich schon immer für den Regenwald und seine Bewohner interessierte, lag es nahe, auch Fische aus diesem Lebensraum zu pflegen. Bei den Piranhas sah ich es als Herausforderung, dieser Fischart, über die es 1984 so gut wie keine Haltungs-Informationen gab, einen artgerechten Lebensraum zu schaffen.




Was würdest du im Allgemeinen nach deinen Eindrücken über Piranhas sagen?


Piranhas, ein Fisch mit einer wichtigen natürlichen Aufgabe. Das Amazonasgebiet wird zweimal pro Monat durch den Gezeitenzyklus überschwemmt. Dieses Naturwunder wird  in Brasilien Pororoca („großer, zerstörerischer Lärm“) genannt. Dabei entsteht eine riesige bis 7m hohe Springflut, die bis 600 km landeinwärts spürbar ist. Zu den Opfern der Flutwelle gehören vorwiegend viele Wildtiere. Die im Wasser treibenden Kadaver dienen ihrerseits den Piranhas als Nahrung. Somit erfüllen die Piranhas eine wichtige Funktion zugunsten des ökologischen Gleichgewichtes. Die Fähigkeit der Piranhas auch Aas zu verwerten, verhindert durch die ansonsten schnell eintretende Verwesung der Tierleichen gefährliche Seuchenherde. Ohne die von den Piranhas wahrgenommene Stellung als Gesundheitspolizei wären viele Gebiete am Amazonas übel riechende Kloaken. Infolgedessen könnten sich Krankheiten ungehindert ausbreiten. Möglicherweise brachte auch deshalb die Evolution diese in ihrer Heimat überaus nützlichen Geschöpfe hervor. Selbstverständlich ist das nur ein Teilaspekt für die Existenz der Piranhas. Für eine dermaßen fischreiche Region der Erde ist es ebenso logisch einen erfolgreichen Raubfisch, der sich hauptsächlich von Fischen ernährt hervorzubringen.




Was essen Piranhas hauptsächlich?


Dass Piranhas lebende Warmblüter essen, kann in der Natur schon einmal vorkommen, ist aber nicht die Regel. Die Hauptnahrung von Piranhas ist Fisch und Aas.




Sind Piranhas stumme Fische?


Piranhas sind keines Wegs stumme Fische, sie können mit ihrer Schwimmblase Laute erzeugen die sich nach Grunzen oder knurren anhören. Da Piranhas selber Laute erzeugen, kann auch davon ausgegangen werden, dass sie sehr gut hören.




Sind Piranhas Schwarmfische?


Piranhas sind Schwarmfische, die sich allerdings nur bei Gefahr in enger Formation ausrichten. Im normalen Leben halten sie immer einen respektablen Sicherheitsabstand zum Nebenmann ein. Da sie auch stark revierbildend sind, werden Artgenossen zuerst durch Scheinkämpfe und wenn es hart auf hart kommt auch durch Bisse vertrieben.




Sinnesorgane von Piranhas


Äußere Merkmale Der Piranha-Körper ist sehr hoch, eher stämmig und dementsprechend seitlich schmal beschaffen. Anders  als andere Raubfische brauchen die Piranhas als Gruppenjäger kein stromlinienförmiges Aussehen, da sie nicht blitzschnell aus der Lauerstellung heraus ein Beutetier schlagen. Beim gemeinschaftlichen Jagen kann also auf einen Körperbau, der ganz auf Schnelligkeit eingestellt ist, gut verzichtet werden. Da Piranhas auch tote und kranke Tiere nicht verschmähen, können sie auf das Erreichen einer optimalen Schwimmgeschwindigkeit verzichten. Flossen Die Flossen in Verbindung mit der Schwimmblase ermöglichen dem Piranha die Kontrolle aller Bewegungen. Die Namen der Flosse beziehen sich immer auf die Region, in der sie sich befindet (siehe Bild). Wenn Piranhas ruhig an ihrem Standplatz stehen, werden die Brustflossen benutzt, um den ' Strahl Effekt ' zu neutralisieren, den die Kiemen produzieren. Die Rückenflosse kann zu dieser Aufgabe auch benutzt werden. Die Rückenflosse kann zusätzlich benutzt werden, um den Piranha in Rückwärtsbewegung zu versetzen. Bei hohen Geschwindigkeiten ist nur die Schwanzflosse eingesetzt, alle anderen werden dicht an den Körper gepresst. Zähne Die Zähne werden hinter den Lippen versteckt und sind folglich bei einem gewöhnlichen Piranha kaum sichtbar. Schon ein junger Piranha von ungefähr 15 cm Länge besitzt Zähne, die eine Grösse von gut 4 mm  erreichen. Die Muskulatur und der Unterkiefer sind stärker ausgebildet als der Oberkiefer und verleihen den älteren Piranhas das charakteristische Aussehen, welches an jenes einer Bulldogge erinnert. Seitliche Linie Die Seitliche Linie ist ein spezielles Richtungsorgan (ähnlich das der Haie), das sich entlang der Seiten der Fische befindet. Es kann als dünne Linie bezeichnet werden, die vom Kopf bis zur Schwanzflosse reicht. Damit kann der Piranha Druckschwankungen im Wasser aufnehmen und es ermöglicht den Fischen z.B. Artgenossen an deren einzigartigen Schwimmfrequenz zu erkennen. Deshalb werden auch z.B. kranke Fische durch ihre veränderte "Schwimmfrequenz" erkannt und sofort attackiert. In den Weißwasserflüssen Südamerikas, in denen die Sicht schlecht ist, können die Piranhas diese seitliche Linie einsetzen, um zu steuern und Felsen oder ähnliche Hindernisse auszuweichen. Riechen Viele Autoren haben schon den unglaublichen Geruchsinn erwähnt, den Haie besitzen. Piranhas haben einen ähnlich ausgebildeten Geruchsinn, was für einen im getrübten Wasser lebenden Fisch ein entscheidender Vorteil ist. Gerade in den nahrungsarmen Perioden ist jedes zu lokalisierende Beutetier überlebenswichtig. Ein Tropfen Blut zu hungrigen Piranhas in ein 300 l Aquarium zu geben reicht schon aus, um diese in erhöhte Erregung zu versetzen. Fehlt nun ein geeignetes Futter, können sie sich vor lauter Aufregung gegenseitig attackieren, weshalb von einem derartigen Versuch im Heimaquarium abzuraten ist. Sehen Die verhältnismäßig großen Augen des Piranha haben ein hartes, kugelförmiges Objektiv, das sich nicht verformt. Das Auge ist tadellos für den Nahaufnahmeblick angepasst und im Ruhezustand kurzsichtig. Wie oben schon erwähnt, ist im trüben Wasser kein "Weitblick" erforderlich. Selbstverständlich kann es für weitere Entfernungen angepasst werden. Dieses wird durch das Objektiv erzielt, das durch den Objektivmuskel verlegt wird. Die Position der Augen vergrößert das Sichtfeld sehr, wobei nur im vorderen überschneidenden Sehfeld ein räumliches Sehen möglich ist.  Für die genauere Überprüfung eines Objektes sind daher die Piranhas gezwungen, sich senkrecht zum Gegenstand hin zu wenden. Tests haben gezeigt, dass Fischaugen, die denen der Piranhas ähnlich sind, zwischen 20 unterschiedlichen Farben mit einer Licht - Wellenlänge zwischen 370 und 700 nm unterscheiden können (das menschliche Auge kann zwischen einer Wellenlänge von 380 bis 780 nm unterscheiden).




Wo kommen Piranhas vor?


Die Vorkommensgebiete der Piranhas umfassen die imposanten Stromsysteme Südamerikas. Allen voran steht der Amazonas in Brasilien mit seinen unzähligen Zu- und Nebenflüssen. Als längster Strom Südamerikas weist er das größte Einzugsgebiet der Erde auf. Von einer Fläche mit über sieben Millionen Quadratkilometer fließt das Wasser Richtung Meer, um sich anschließend mit 120.000 m³ in der Sekunde in den Atlantik zu ergießen. 




Muss das Aquariumwasser speziell aufbereitet werden?


Piranhas stellen an das Wasser keine speziellen Anforderungen und mit Standard Werten für ein tropisches Süßwasser-Becken kommt man recht gut hin.
pH-Wert:                                6 - 7,5
Wasserhärte (dGH-Wert):      5 - 25°
Wassertemperatur:                24 - 28°C
Beckengröße:                         pro Piranha min. 100 Liter